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(RBB Kultur/ARD)

„Erstklassig“

(Jüdische Allgemeine)

„Am historischen Ort“

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„Roadmovie“

(Berliner Morgenpost)

„Antinationalistisches Nationalepos“

(Berliner Bühnen)

„Georg Stephan verkörpert den Dichter“

(tip Berlin, ehem. Zitty)


Denk ich an Deutschland in der Nacht...

Paris, 1844: zurück von der letzten Reise durch die Heimat, entsteht ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹, Heinrich Heines später berühmtestes Buch. Die Reise-Erzählung voller Witz und Poesie ist zugleich eine politische Rede aus dem Exil. Lange von Zensur und Verboten getroffen, ist das Werk seit 2019 erstmals vollständig auf der Bühne zu erleben.

Januar 2026... Wieder in Berlin !

Zur Neu-Eröffnung der Spielstätte Kapelle99 durch die Stadt Berlin und den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erlebt ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹ seine ersten Aufführungen 2026. Georg Stephan (Schauspiel und Oper Frankfurt, Münchner Kammerspiele, Deutsches Schauspielhaus Hamburg) spielt wieder Heinrich Heine: 2132 Verse, ungekürzt, als pures, lebendiges Theaterereignis.



Fr., 23. Januar 2026

19 Uhr, Kapelle99, Boxhagener Straße 99, 10245 Berlin

Tickets

Ein neues Lied, ein besseres Lied !

Heinrich Heines Meisterwerk hat eine lange Geschichte von Verboten, Zensur und Selbstzensur. Heute kann das Werk vollständig online als wissenschaftliche Gesamtausgabe gelesen werden, beim Heinrich-Heine-Institut (hier).

Bisher sehr begrenzt ist die Möglichkeit, die erhellenden Gedanken der Heine-Forschung online zu erkunden. Das will deutschlandeinwintermaerchen.de zukünftig für diesen Text leisten. Forschungsliteratur zum Wintermärchen wird bereits regelmäßig in einem Blog auf dieser Website vorgestellt und später (incl. Volltextsuche) mit Heines Versen verknüpft.

Aufführungen 2018 — 2026

(Auswahl)

2025

Kulturförderung des Doppelbezirks Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin, Eröffnungsspielzeit der neuen Kappelle 99 mit ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹

2023

Schiffbauerdamm/ Reichstagsufer Berlin, Kulturschiff MS Goldberg — Gastspiel im Medio.Rhein.Erft, Bergheim, Konrad-Adenauer-Platz

2021

Heinrich-Heine-Institut / Heinrich-Heine-Gesellschaft, Düsseldorf: Live-Übertragung von ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹

2020

›Deutschland. Ein Wintermärchen‹ im Kulturprogramm des Zentralrats der Juden in Deutschland

2019

Eröffnung Literaturtage der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf mit ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹

2018

Berlin, Unter den Linden: ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹ erstmals ungekürzt, Premiere



Georg Stephan spielt Heinrich Heine

Shooting mit der Fotokünstlerin Judith Johns.


Blog   ›Ein neues Lied, ein besseres Lied‹

von Georg Stephan



Einmal wöchentlich — jeden Dienstag — stelle ich hier Literatur aus der Welt der Heine-Forschung vor, dazu Gedanken aus meiner eigenen Praxis rund um Text und Bühne.

13. Januar 2025

›Heinrich Heine: »Sämtliche Schriften« Band 4‹ von Herausgeber Klaus Briegleb


Ich tauchte manchmal die Finger hinein
Und manchmal ist es geschehen,
Dass ich die Haustürpfosten bestrich
Mit Blut im vorübergehen.
(Caput VII)

Sich das Labyrinth, das jede Begegnung mit Heines Werk eröffnet, von Klaus Briegleb erklären zu lassen, hat einen großen Nachteil und zwei entscheidende Vorteile. Ich konnte es selbst erleben. Sein vierter Band1, dick wie ein Ziegelstein, konfrontierte mich 2018 — ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹ entstand gerade als ungekürzter Theaterabend — mit hunderten von Seiten wissenschaftlichem Kommentar, in winziger Schrift. Vorher hatte ich lediglich meinen hübschen Inselband2 gelesen, da gab es ein paar Erläuterungen, aber was war das? Später lernte ich, dass die Düsseldorfer Ausgabe3, auch ein Ziegelstein, noch viel detaillierter kommentiert, aber Klaus Briegleb geht eigenwillig vor: er legt einen roten Ariadnefaden durchs Labyrinth. Er zeigt Heine immer wieder als Meister verrätselter Selbstzensur und als entschieden jüdischen Dichter, so etwa hier (Beitrag für die Bundeszentrale für politsche Bildung) oder mit seinem (in diesem Blog schon eimal erwähnten) Buch zum Thema4. Das sind die beiden Stärken, die mich auch heute für ihn einnehmen. Und der Haken? Manchmal wird Kommentar zu Interpretation, der Faden lässt Teile des Labyrinths aus dem Blick geraten und ich frage: ist ihm wirklich ganz zu trauen? Doch wozu gibt es die kritische Heine-Forschung?

1     Heine (1971): ›Sämtliche Schriften‹ Band 4 (herausgegeben von Klaus Briegleb)
2     Heine (1972): ›Deutschland: ein Wintermärchen‹ (Mit 13 Holzstichen von Gerhard Kurt, Insel-Bücherei Nr. 973, nach der von Oskar Walzel herausgegebenen Ausgabe von 1912)
3     Heine (1985): ›Sämtliche Werke‹ Band 4 (Düsseldorfer Ausgabe/ Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke, herausgegeben von Winfried Woesler u.a.)‹
4     Briegleb (1997): ›Heinrich Heine, jüdischer Schriftsteller in der Moderne‹


6. Januar 2025

› »Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst« Heinrich Heine, eine Biographie‹ von Jan-Christoph Hauschild und Michael Werner


Von Köln bis Hagen kostet die Post
Jetzt fünf Taler, sechs Groschen, preußisch.
Die Postkutsche war leider besetzt
Und ich kam in die offene Bei-Chaise.
(Caput VIII)

Wie eine Fahrt in der ollen Scheese (berlinerisch), so ungemütlich muss sich die Berliner Recherche für beide Autoren angefühlt haben, bevor sie aus einer unfassbaren Menge Fakten ihre in nachtblaues Leinen gebundene Biographie1 geschrieben haben. Der Buchdeckel-Nachthimmel ist von einem silbernen Heine-Autogramm beleuchtet und eigentlich silbern ist auch der rote Faden dieser Lebenserzählung, denn im Zentrum steht immer wieder der Markt für Literatur, auf dem Heine sich bewegte, stehen seine Einkünfte als Berufsschriftsteller, seine Ausgaben, steht sein Lebenswandel. Die Zahlen faszinieren durchaus und sie erinnern mich an die ersten Seiten eines ganz anderen Meisterwerks2, sieben Jahre nach ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹3 erschienen. Es beginnt mit einer fantastischen Zitatesammlung (wie bei Michael Werners und Jan Christoph Hauschild) und mit einem Lobgesang auf alle eitle Wissenschaft. Nun, fast alles ist eitel. And there is all the difference in the world between paying and being paid., weiß Melvilles Ishmael.

1     Hauschild, Werner (1997) › »Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst« Heinrich Heine, eine Biographie‹ — das Inhaltsverzeichnis kann bei der Deutschen Nationalbibliothek heruntergeladen werden.
2     Melville (1851): ›Moby-Dick; or, The Whale‹
3     Heine (1844): ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹


30. Dezember 2025

›Heine und der Kommunismus‹ von Leo Kreutzer


Ich weiß wohl was Saint-Just gesagt,
Weiland im Wohlfahrtsausschuss.
Man mache keine Revolution
Mit Rosenöl und Moschus.
(Caput XXVII)

Die Pointe des dünnen Bändchens ist schnell geliefert, doch das Drumherum ist beängstigend, betörend, ein Abgrund wie manche Stelle in ›Deutschland‹, wie das ›Wintermärchen‹ ja im Übertitel heißt. An den radikalen Saint-Just denke ich beim Lesen der Widmung für Gottfried Just. Wer war dieser? Google/ Bing-Ecosia (letzten Endes: Wikipedia) kennt nur Günther Just, einen radikalen Kopf der sog. Rassenhygiene, NSDAP-Mitglied und Direktor eines entsprechenden Instituts der Universität Greifswald1, im Reichsgesundheitsamt federführend, zwei Söhne: Klaus Günther Just (1923-1977)2 und Gottfried Just (1938-1970), dem der Autor 1970(!) sein Buch3 widmet. Drei Literaturwissenschaftler, das Jahr 19684, ich bin kurz davor mich wieder abzuwenden (werde von Leo Kreuzners Lehrer Hans Mayer5 zurückgehalten). Natürlich verlockend die Ausführungen Leo Kreuzners zu den großen idiologischen Gegensätzen, die Frankreich auf der Straße ausgetragen hat, Deutschland auf den Theaterbühnen, wie er schreibt. Die Gegensätze, folgt man dem Autor, bestanden nicht so sehr zwischen dem jüdischen deutschen Dichter Heine und dem jüdischen deutschen Philosophen Marx, die sich 1844 in Paris begegnen (im selben Jahr erscheint ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹), der entscheidende Gegensatz zeige sich im Programm des Frühkommunisten François Noël Babeuf (1760-1797, er starb — vielmehr: wurde hingerichtet — im von der Forschung vermuteten Geburtsjahr Heinrich Heines). Der nach ihm benannte Babouvismus forderte von der Kunst, dass sie immer und unmittelbar der politischen Sache zu dienen habe, was Heine naturgemäß ablehnte. Diese Kritik ist aktuell geblieben, schreibt Leo Kreuzner 1970. Sie ist es noch.

1     Die Universität Greifswald klärt deutlich ungeschönter über Justs Biographie auf als die deutsche Wikipedia: Die Beteiligung der Universität an Medizinverbrechen.
2     Just, Klaus Günther (1948): ›Studien zum Ästhetizismus bei Stefan George und seinem Kreis‹
3     Kreutzer (1970): ›Heine und der Kommunismus‹
4     Just, Gottfried (1968): ›Ironie und Sentimentalität in den erzählenden Dichtungen Arthur Schnitzlers‹
5     Mayer (1951): ›Anmerkungen zu einem Gedicht von Heinrich Heine‹ (›Sinn und Form‹, Heft 4)

23. Dezember 2025

› »Heilige Schwelle« Der frühe Heine — ein jüdisch-christliches Itinerarium‹ von Raphaela Brüggenthies


Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!
(Caput XIII)

Was bitte ist ein Itinerarium, frage ich mein geliebtes altes Fremdwörterlexikon1, das zur Antwort wie immer eine Wortgeschichte mitliefert: Vermessung der Route von Forschungsreisen in noch nicht vermessenen Gebieten [ > lat. itinerarium »zur Reise gehörig«; zu iter »Reise« ]. Erst jetzt, im Schreiben, verstehe ich: unerforschtes Terrain so präzise wie möglich beschreiben, Neuland, nämlich die Taufe des deutschen jüdischen (ab 1825 auch christlichen) Dichters Harry (ab 1825 Heinrich) Heine. Das war das Anliegen von Raphaela Brüggenthies (Ordensschwester der Benediktinerinnen), deren schönes Buch2, das zugleich ihre Doktorarbeit in Germanistik ist, dem Thema in tausend und einer Textstelle nachgeht, in Heines Reiseliteratur wie in seiner Biographie — beides wichtig fürs Verstehen von ›Deutschland. Ein Wintermärchen‹. Kostprobe: drei Vornamen wünscht sich Heine für seine Taufe, Christian Johann Heinrich, in dieser Reihenfolge, ungewöhnlich (weil Johann in der Regel zuerst steht) und vielleicht nur dadurch erklärlich, dass Heine die Kurzform JCh (Jesus Christus) vermeiden will, jüdisch bleibend und an seinen Großvater Chaim (ChJ) Bückeburg erinnernd (eingedeutscht Heymann Heine). Nun, Chanukka ist für diesjahr vorüber. Danke also Raphaela Brüggenthies und fröhliche Weihnachten!

1     Wahrig-Burfeind (1999): ›Wahrig-Fremdwörterlexikon‹
2     Brüggenthies (2022): › »Heilige Schwelle« Der frühe Heine — ein jüdisch-christliches Itinerarium‹

16. Dezember 2025

›Ja, die Weiber sind gefährlich! Heinrich Heine und die Frauen‹ von Sabine Brenner-Wilczek


Von Harburg fuhr ich in einer Stund
Nach Hamburg. Es war schon Abend.
Die Sterne am Himmel grüßten mich,
die Luft war lind und labend.
(Caput XX)

Die Stimme, die aus einem Text zu uns spricht, kann verschiedenerlei Ton annehmen: souverän dozierend wie Joseph A. Kruse1, Rätsel beschwörend wie Klaus Briegleb2 oder ganz direkt, erhellend und leichtfüßig Raum und Zeit überbrückend. So klingen die Portraits von Sabine Brenner-Wilczek3, die Heines wichtigste Zeitgenossinnen in kurzen Begegnungen nahe bringen. Fürs Wintermärchen zentral natürlich das gleich erste Portrait, Heines Mutter: Ziel der großen Hamburg-Reise, die er im Duktus — auch der Meister selbst hat einen Ton, nein! hat Töne und im Wintermärchen einen Grundton — des fahrenden Sängers schildert und deren Reise-Anlass erst in Hamburg, am Ziel (wie bei Homer), besungen wird: die Sehnsucht (nicht des Odysseus, sondern) des Dichters ( — Held und Dichter sind eins in dieser lyrischen Urform des Theaters). Den katastrophalen Brand in Hamburg, d. h. die Bedeutung für Heinrich Heine, verstand ich bei der Lektüre von Sabine Brenner-Wilczeks Portrait der Rahel Varnhagen von Ense zum ersten Mal. Es wird deutlich was Hannah Arendt meint, wenn sie ganz am Schluss ihrer Rahel-Biografie Heine zum Seelenretter4 erklärt. Der Ton und die Stimme der meisterhaften Rahel Varnhagen von Ense sind ihren wenigen erhaltenen Briefen zu entnehemen, von denen es heute sehr viel mehr gäbe, wären nicht Heines — er war einer der wenigen Korrespondenten Rahels, der ihre Briefe aufbewahrte — in Hamburg verbrannt.

1     Kruse (1997): ›Heine-Zeit‹ (im letzen blog1beitrag vorgestellt)
2     Briegleb (1997): ›Heinrich Heine, jüdischer Schriftsteller in der Moderne‹
3     Brenner-Wilczek (2015): ›Ja, die Weiber sind gefährlich! Heinrich Heine und die Frauen‹
4     Arendt (1958): ›Rahel Varnhagen. The Life of a Jewess‹

9. Dezember 2025

›Heine-Zeit‹ von Joseph Anton Kruse


Ein feierlicher Moment! Ich war
Wie angeweht vom Hauche
der Vorzeit, als ich Schwur den Eid
Nach altem Erzväterbrauche.
(Caput XXV)

Theater ist immer Zeitreise. Wenn aber ein Text zur Aufführung kommt, dann reisen wir in die Zeit des Stückes. Heinrich Heine als jüdischer Theaterautor1 wiederum entführt uns in die verschiedensten Zeiten, etwa in die Ära Napoleons, als mit dem Code Napoléon Judenemanzipation und überhaupt eigenständig bürgerliches Recht in Heines Geburtsstadt Düsseldorf kamen. Auch die mythische Vorzeit erscheint schlagschattenartig in Gestalt hebräischer und griechischer Erzählungen. Das Hier und Jetzt des Jahres 1844, diese anderen Gegenwarten, alle Zeiten fallen in eins: wie im Text so auf der Bühne. Zur Vorbereitung der Aufführungen im Januar lese ich ›Heine-Zeit‹ von Joseph Anton Kruse2. Es ist ein phantastischer Zugang, der jedem an der Heine-Forschung interessierten Menschen empfohlen werden kann. Diverse Blickrichtungen werden eingenommen, von der jüdischen Familiengeschichte Heines, über die Stellung als europäischer Autor bis hin zu seiner Wirkung auf Büchner, Brecht und andere. Ziemlich großzügige Einblicke in ein jedes Kapitel gewährt die Vorschau bei Springer Nature.

1     Warum ich Heine, der nur zwei Dramen und ein Ballett (›Der Doktor Faust‹ !) verfasst hat, als einen Theaterautor wahrnehme, beschreibe ich im nächsten blog1-Artikel am 16. Dezember.
2     Kruse (1997): ›Heine-Zeit‹

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